Edition #11
Scheitern bevor alles gut wird.

Ich habe dich in 2014 in Manchester als Frontmann von Your Favorite Enemies gesehen und ihr habt mich völlig erstaunt! Dann bist du für eine Weile verschwunden und mit deinem eigenen Namen, aber den gleichen Musikern von YFE wieder aufgetaucht. Wieso hast du dich so entschieden? Und versteh mich nicht falsch, ich liebe deine neue musikalische Herangehensweise, aber ich habe mich gefragt, warum du mit den gleichen Leuten neu angefangen hast, wenn du schon etwas wirklich ordentliches laufen hattest. Danke, dass du dir die Zeit nimmst!

– Mick, Sheffield, Großbritannien

Du hast recht, es macht keinen Sinn, wenn man es von außen betrachtet. Vor allem wenn man bedenkt, dass Your Favorite Enemies langsam laute Geräusche gemacht haben und dass unser Album „Between Illness And Migration“ fast überall sehr gut ankam. Wir waren viel auf Tour, um für das Album zu werben. Wir waren sogar fast auf der ganzen Welt auf Tour, bevor wir die Deluxe-Version veröffentlicht haben! „Tokyo Sessions“, wie es heißt, war nicht nur eine N Neuaufnahme, sondern die Lieder wurden neu bearbeitet. Dieses Projekt wurde unglaublich angenommen und erhielt fantastische Reaktionen von den meisten Leuten, die es sich angehört haben. Ich glaube zu diesem Zeitpunkt waren wir eine solide Veröffentlichung davon entfernt uns als große Künstler zu etablieren… Also fragt ihr euch was passiert ist.

Naja, die kurze Antwort ist, dass etwas tief in mir zerbrochen ist und ich nicht mehr so weitermachen konnte. Die ständigen Spannungen in der Band zusammen mit dem Tod meines Vaters, der ewige Druck… all dies machte mich seit vielen Jahren physisch krank. Meine emotionale Erschöpfung führte zu einem großen Burnout, der sich in eine tiefe Depression verwandelte. All dies, während wir übermäßig auf Tour waren, immer wieder Kurzfilme produzierten, für viele Preise nominiert wurden und immer weiter vorangetrieben wurden. Ich kam an einen Punkt, an dem ich mich nicht mehr bewegen konnte und auf jede mögliche Art gelähmt fühlte, isoliert von den anderen, mich gedemütigt fühlte, dass ich so schwach und zerbrechlich war und ich habe mich geschämt meinen Freunden ihre Träume zu rauben. Ich ging nach Tanger ohne der Absicht zurückzukommen. 

Es ging entweder darum echt und frei zu sein oder zu akzeptieren, dass ich vollständig in der illusionären Projektion einer Person verschwinde, die sich wünscht, dass ihr Leid nie endet.

Was danach kam war das Ergebnis davon 2 Jahre in Marokko zu leben, wo ich über alles nachdenken konnte: über die Beziehung zu meinem Vater, zu den anderen Mitgliedern der Band, zu den Mitgliedern der Gemeinschaft, mit der ich lebte. Den Zweck, für den ich mich immer berufen gefühlt habe, hatte seine Bedeutung vollständig verloren, ich konnte ihn nicht mehr sehen. Es war eine Zeit, in der ich über mich nachgedacht habe, als eine Person, ich war ehrlich zu mir selbst. Es war ein ausschlaggebender Moment, in dem ich mich entscheiden musste, ob ich weiter in den Schatten meiner eigenen Täuschungen leben wollte oder ob ich über die Gründe nachdenken wollte, die mich hauptsächlich dahin brachten, auch wenn ich am Ende dieses schmerzlichen Prozesses vielleicht keine Antworten finden würde. Es ging entweder darum echt und frei zu sein oder zu akzeptieren, dass ich vollständig in der illusionären Projektion einer Person verschwinde, die sich wünscht, dass ihr Leid nie endet. Lasst es mich so sagen, ich habe überhaupt nicht an meine musikalische Karriere gedacht… das Thema kam erst später.

Ich wusste zu der Zeit noch nicht, was ich mit meinem Leben machen wollte, aber es war mir klar, dass ich nicht zurück zu Your Favorite Enemies gehen wollte. Es war emotional und psychologisch zu zerstörerisch für mich und nur daran zu denken zur Band zurückzugehen führte zu Übelkeit und Panikattacken. Etwas in mir war zerbrochen und das war auf die ungesunde Beziehung zu den anderen Bandmitgliedern zurückzuführen. Es war traurigerweise ein klassischer Fall davon, dass sich eine aufrichtige Freundschaft in eine Form der kommunikativen Toxizität verwandelt hatte. Ich habe einfach keine Möglichkeit gesehen, dass wir 6 wiedervereint ein neues kreatives Projekt zum Leben erwecken könnten. Ich dachte, dass diese Zeit der Trennung uns vielleicht Frieden und Klarheit darüber geben würde, und das tat sie auch – nach 18 Monaten.

Und als ich anfing die Stücke zu sammeln, sah ich nur Ben und Jeff vom ursprünglichen YFE Lineup.

Wir kamen in Tanger wieder zusammen, nachdem ich sie zu einem Besuch für eine Woche eingeladen habe, aus welcher 6 Monate wurden. Wir hatten die Möglichkeit einige Situationen anzusprechen, einige Wunden zu enthüllen und Licht auf unsere gebrochene Freundschaft zu werfen. Es war schwer diese „sag alles“ Gespräche zu haben… So sehr ich diese Leute liebe – das habe ich immer und werde ich immer – ich wollte nichts mehr von diesem emotionalen Aufruhr erfahren, ich konnte diese Möglichkeit nicht mehr erfassen. Ich musste loslassen, diesen Abschnitt meines Lebens betrauern und die Dinge heilen, die in mir gebrochen war. Und um dies zu tun, musste ich von dieser Reise, die ich erlebte, Besitz ergreifen und die Emotionen annehmen, die letztendlich das Album „Windows in the Sky“ erschufen. Ich musste „sein“ und aufhören mich in der falsch-sicheren Realität Teil einer Gruppe zu sein zu verstecken. Es war Zeit mich meinen eigenen Widersprüchen zu stellen.

Als ich endlich akzeptierte ein einmaliges Konzert beim Festival International de Jazz de Montréal zu spielen, um den Tod meines Vaters zu ehren, habe ich deswegen angefangen mir die Art von Band vorzustellen, von der ich immer geträumt hatte. Und als ich anfing die Stücke zu sammeln, sah ich nur Ben und Jeff vom ursprünglichen YFE Lineup. Es ging weder gegen Sef, Moose und Miss Isabel, noch hatte ich sie als diejenigen identifiziert, die für die gemeinsamen Probleme, die wir in der Vergangenheit hatten, verantwortlich waren. Es ging nur darum konzentriert zu bleiben und sich völlig für die Natur des Ereignisses einzusetzen. Um dies zu tun brauchte ich einen „sicheren Ort“, um mich als Individuum zu entwickeln und um in der Lage zu sein vollständig in meine kreative Bewegung einzutauchen. Ich habe mir die Zeit genommen, um die Gründe für die Entscheidung des Lineups zu erklären und habe enthüllt warum ich nicht daran interessiert war eine Art von YFE Wiederbelebung durchzuführen. Ich wusste noch immer nicht was ich nach dem Konzert machen wollte und ich wollte niemandem falsche Hoffnungen geben. Aber hauptsächlich ging es bei dem Moment um die Erinnerung an meinen Vater…

Warum nun doch alle Bandmitglieder von Your Favorite Enemies dabei waren, ich glaube es passierte langsam, während wir unsere Beziehungen reparierten. Es passierte natürlich und stetig. Ich habe die großen Bemühungen von allen gesehen, um mich in der Erschaffung von etwas zu unterstützen von dem ich glaubte, dass es größer sein würde als ich selbst. Sie mussten akzeptieren, dass es nicht mehr so sein würde wie in der Zeit von YFE. Es war ein völlig anderes Wesen, welches den musikalischen Strom leitete. Es ging nicht darum wie gut oder cool individuelle Teile waren. Mein Interesse galt nur dem freien Wesen des Liedes… Also haben wir es versucht und es hat sich in etwas verwandelt was niemand von uns erwartet hatte. Wir konnten nicht erklären was es war oder dessen Natur verstehen, aber es war perfekt in seiner Unvollkommenheit und plötzlich war alles am richtigen Ort.

Wir, als Individuen und als Gemeinschaft, waren nicht mehr die gleichen und ich hatte keine Befürchtungen oder Zweifel mehr

Und als es Zeit für mich wurde um festzulegen, ob ich nach dem Festival International de Jazz de Montréal weitermachen wollte, wollte ich es mit ihnen zusammen machen. Wir, als Individuen und als Gemeinschaft, waren nicht mehr die gleichen und ich hatte keine Befürchtungen oder Zweifel mehr, dass wir zurück in diese Toxizität rutschen könnten, durch die wir vorher litten. Ich bin deswergen nicht nur sehr gelassen, sondern da unsere letzte Europatour so fröhlich war, kann ich es kaum erwarten zu entdecken was wir unter solch erneuerten Bedingungen zum Leben erschaffen werden…

Das ist also die kurze Antwort auf eine sehr lange und einzigartige Geschichte. Und deswegen arbeite ich momentan auch an einem Buch, welches weitere Details und einen persönlicheren Einblick auf diese Zeit bietet. Es wird die Zeit von der „Windows in the Sky“ Listening Session vor der Veröffentlichung, die ich in Tokio gehalten habe, bis zu dem Moment an dem ich mich entschieden habe an dem „Standing Under Bright Lights“ Projekt zu arbeiten abdecken.

Ich hoffe das beantwortet deine Frage Mick. Und an alle anderen, die mir schon eine Frage gestellt haben, ich versuche so oft wie möglich ein neues Journal zu veröffentlichen… Zögert nicht damit mir eure Fragen zu stellen, egal worum es geht.

Bleibt gesund.
Alles Liebe,
AHF

PS: Ich habe vergessen…! Ich fand es immer besonders in Manchester zu spielen. Ich bin ein Fan von so vielen Bands, die aus dieser Szene kommen! Deswegen war jedes Konzert, welches ich in Manchester gespielt habe, unvergesslich, vom Absplittern eines Zahnes, dem Brechen meiner Hand am Schlagzeug oder dem Finden neuer Worte und Melodien, während ich völlig vergessen habe welches Lied wir spielen (ich frage mich noch heute, ob es die anderen Mitglieder von YFE gemerkt haben – was so ziemlich repräsentiert wie unglaublich laut wir ursprünglich gespielt haben).

Und natürlich ist mein erster Solo-Auftritt in Manchester keine Ausnahme. Ich habe während des Soundchecks am Nachmittag meine Stimme verloren – sie war völlig weg. Aber ich bin trotzdem auf die Bühne gegangen und habe dem Konzert eher eine instrumentale Dimension gegeben, bis meine Stimme während des Auftritts wiederkam. Es wurde zu einem der „tobendsten“ Konzerte der gesamten Tour! Ich meine, es würde nie passieren, dass ich in dieser Stadt ein Konzert absage, niemals!

Alex Tagebuch abonnieren

* bedeutet erforderlich
Was wollt ihr hören

Inscrivez-vous au journal d’Alex

* Champs requis
De quoi voulez-vous être informé ?

ALEXのジャーナルに登録する

* 必須事項
更新情報を受け取りたいニュース

Subscribe to Alex's Journal

* indicates required
What do you want to hear about